Arbeit und Lernen neu denken

Digitalisierung verlangt neue Skills – gleichzeitig wird sie auch Mittel, um die geforderten Skills zu erwerben. Lesen Sie mehr über neue Lernkultur und Lernformate, sowie Erfahrungen aus der Praxis und welche Rolle Spaß dabei spielt.

Die Rückkehr zu Altbekanntem ist keine Option

Alte Muster der Vorkrisenzeit müssen aufgebrochen werden und auf lange Sicht sind neue Wege einzuschlagen. Dies ist die Schlussfolgerung aus den „Human Capital Trends 2021“ von Deloitte, wo über 6000 Führungskräfte weltweit, darunter 163 aus Österreich, befragt wurden. Zwischen den Fronten von wirtschaftlichem Überleben und dem Weiterentwickeln in eine ungewisse Zukunft müssen Unternehmen neue Wege gehen, denn die Rückkehr zu Altbekanntem ist keine Option. Folgende Maßnahmen wurden von den Befragten gesetzt:

  • 61% wollen in den kommenden Jahren die Arbeit ihrer Mitarbeitenden völlig neu denken (vor der Pandemie waren das nur 29%)
  • 45% setzen dazu auf eine passende Unternehmenskultur
  • 41% fördern die Entwicklung der richtigen Skills ihrer Mitarbeitenden
  • 35% sehen die Implementierung neuer Technologien als wichtig an.

Um das Potenzial neuer Technologien rund um Digitalisierung zu nutzen ist es wichtig, sich auf jene Kernstärken zu besinnen, die nur Menschen in eine digitalisierte Organisation einbringen können: Mut, Kreativität und Pragmatismus. Viele Mitarbeitende haben in der aktuellen Krise bewiesen, dass sie kurzfristig und flexibel neue Lösungen schaffen können, wenn zum Beispiel die Produktion rasch auf Medizinprodukte umgestellt wurde. Die bis jetzt selten genutzten Potenziale der Belegschaft gilt es nun mit Schulungen ganzheitlich zu fördern, um künftig mehr Eigenverantwortung und Mitgestaltung zu ermöglichen.

Neue Lernkultur, neue Lernformate

Alle Bereiche und Abteilungen eines Unternehmens werden durch die digitale Transformation verändert. Digitalisierung verlangt neue Skills aller Mitarbeitenden – gleichzeitig ist sie auch das Mittel, um neue Skills zu erwerben. Moderne Personalentwicklung steht daher für eine neue Lernkultur und neue Lernformate.

Neue Lernkultur sieht Lernen als Prozess: Lernen braucht einen neuen Zugang, denn in Zeiten des digitalen Wandels ist Weiterbildung zu einem ständigen Prozess geworden. Daher muss auch die Lernkultur dafür geschaffen werden, das heißt: Mitarbeitende sollten eigenverantwortlich an ihrer Weiterentwicklung arbeiten und sich für Schulungen interessieren, weil sie selbst Bedarf sehen, nicht aber weil es ihnen eine Führungskraft vorschreibt. Damit das funktioniert, brauchen Mitarbeitende vor allem zu Beginn Unterstützung durch HR, damit Vertrauen in den Prozess und die eigenen Fähigkeiten entsteht.

Neue Lernformate fördern individuelles Lernen: Lernen scheitert oft an der Zeit, denn dass eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter jetzt mal eine Woche weg ist und in einem Präsenzseminar sitzt, wird in vielen Unternehmen heute als zu lang und nicht zielführend empfunden. Dieser Trend hat zu einem neuen digitalen Lernformat geführt: eLearning ermöglicht individuell in kleinen Häppchen zu lernen. Wenn man sich bei einer Funktion in der Buchungs-Software nicht auskennt, sieht man sich die Lösung in einem Tutorial an und setzt diese dann gleich in der Praxis um. Mitarbeitende sehen das gesamte Angebot auf der eLearning Plattform und können im Sinne ihrer ganzheitlichen Weiterentwicklung auch neue Kurseinheiten belegen und mit eigener Zeiteinteilung absolvieren.

Personalentwicklung aus der Praxis: digital, iterativ, nachhaltig

Unter dem Motto „Live it – Learn it“ hat Sage eine neue Lernkultur etabliert. Um Lernen nachhaltig zu gestalten, wird von der Personalentwicklung auf Iteration gesetzt, d.h. die Phasen der Weiterbildung folgen einem Kreislauf. Die vier Phasen heißen think – learn – test – live: Mitarbeitende reflektieren zu Beginn, wo sie stehen, was sie zu einem Thema schon wissen, bzw. was ihnen noch fehlt und was sie lernen möchten. Dann folgen Kurse nach dem Prinzip des Blended Learning, einer optimalen Mischung aus Online- oder Präsenzkursen, sowie Videos oder Unterlagen – angepasst an das Schulungsthema. Von der Theorie geht es in die Praxis, um Gelerntes zu erproben und daraus wieder zu reflektieren: „Will ich noch etwas dazulernen?“. Dieser iterative Prozess erstreckt sich über eine längere Zeitspanne und wechselt zwischen Theorie und Praxis – somit wird das Gelernte nachhaltig gefestigt.

Als Lernformat wurde bei Sage die eLearning Plattform ausgebaut und bietet ein breites Angebot an. Es werden zum Teil selbst entworfene Trainings und zum Teil Beiträge von externen Anbietern zur Verfügung gestellt. Hier gewährt die Personalentwicklung vor allem zu Beginn viel Unterstützung und hat folgende Tipps aus der Praxis:

  • Erklären: Struktur und Inhalte des Schulungsangebots werden anfangs gemeinsam durchgegangen, wie wird die eLearning Plattformen genutzt, welche Ausbildungen könnten für bestimmte Mitarbeitende relevant sein.
  • Sortieren: Um den Überblick zu erleichtern, wurden ausgewählte Module zusammengestellt, die viele interessieren, zum Beispiel Vertriebstrainings oder Soft Skills wie Emotionale Intelligenz. Ähnlich wie wir es von Playlists kennen, können Mitarbeitende auf diese Weise mit Vorschlägen angeleitet werden.
  • Motivieren: Mitarbeitende sollen selbstverantwortlich und kreativ arbeiten, das gilt auch für die Erweiterung ihrer Skills. Wenn sie die neue Lernkultur und die neuen Lernformate besser kennen, so werden sie immer mehr Trainings eigenständig für sich finden.

Personalentwicklung mit Spaß

Was erfolgreiches Lernen für Erwachsene ausmacht, wird in der Fachliteratur auch mit dem Akronym SPASS ausgedrückt, das steht für: selbstgesteuert, produktiv, aktivierend, situativ und sozial. Umgelegt auf eine Personalentwicklung, die durch Herausforderungen wie Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit, digitale Transformation, Flexibilität und höhere Eigenverantwortung geprägt ist, sind das die wichtigen Schritte:

 

  • Selbstgesteuert: individuelle und selbstbestimmte Lernkultur einführen
  • Produktiv: mit iterativer Weiterbildung nachhaltige Ergebnisse für den Arbeitsalltag erzielen
  • Aktivierend: Lernformate schaffen, die Mitarbeitende motivieren und ihnen Lust machen zu lernen
  • Situativ: mit Häppchen im eLearning ermöglichen, dass zu einer aktuellen Frage gleich gelernt werden kann
  • Sozial: persönliche Kontakte fördern, indem etwa durch gegenseitiges Erklären gelernt wird
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