Warum Betriebliches Gesundheits-Management jetzt wichtig ist

Mit der Pandemie ist Gesundheit in die Aufmerksamkeit gerückt. Die Arbeitswelt und ihre gesundheitlichen Konsequenzen haben sich jedoch schon davor verändert. Welchen Handlungsbedarf haben Unternehmen beim Thema Gesundheit? Was braucht spezielle Aufmerksamkeit? Rechnet sich das alles? Hier sind die Antworten.

Was heißt gesund?

Den Begriff Gesundheit definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer Satzung folgendermaßen: „Ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.“ Die Aussage ist klar: Gesundheit ist gesellschaftlich wichtig, so wirken sich etwa versäumte Maßnahmen in der Kindheit bis in das Erwachsenenleben aus und führen später zu viel höheren Kosten im Sozialsystem. Genauso sind Unternehmen nur dann langfristig erfolgreich, wenn ihre Belegschaft gesund und motiviert ist, um die erforderlichen Leistungen erbringen zu können. Wenn etwa Projektmitarbeiterinnen mit Burn-Out in der Finalphase ausfallen oder Buchhalter aufgrund andauernder Überstunden sich nicht mehr konzentrieren können und Fehler machen, dann sollten Unternehmen alarmiert sein.

Gemeinsam für mehr Gesundheitsbewusstsein

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist umfassender, als viele denken. Es umfasst:

  • Alle Maßnahmen zum Arbeitsschutz, sowie Maßnahmen, um erkrankten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach längerer Abwesenheit den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Diese sind gesetzlich vorgeschrieben.
  • Die freiwillige Gesundheitsförderung im Betrieb, dazu zählt etwa gesundes Essen in der Kantine, ein Ruheraum und Entspannungsmethoden, ergonomische Arbeitsplätze oder Vorbeugen gegen Rückenschäden, hervorgerufen durch langes Sitzen bzw. belastende Arbeit.

BGM ist eine Win-Win-Situation, sie erfordert jedoch, dass alle Beteiligten mitmachen. Unternehmen können Angebote machen und unterstützen, sie sind aber nicht verpflichtet, das staatliche Gesundheitssystem zu ersetzen. Die Belegschaft ist gefordert, aus eigenem Interesse etwas für die persönliche Gesundheit zu tun. Wenn gemeinsam daran gearbeitet wird, entsteht mehr Gesundheitskompetenz, sowohl in der Organisation, als auch bei jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter.

Schritte zu BGM

Mit folgenden Analysen können Sie Bereiche ermitteln, wo Handlungsbedarf ist:

  • Welche belastenden Tätigkeiten gibt es im Unternehmen, klagen z.B. Teams oder Einzelne über Stress oder körperliche Schmerzen? Sie können dazu auch (anonyme) Befragungen machen.
  • Wo gibt es krankheitsbedingt steigende Fehlzeiten?
  • Wie ist die Altersstruktur im Unternehmen oder in bestimmten Abteilungen?
  • Welche Maßnahmen gibt es bereits, wie werden diese angenommen oder gibt es Wünsche aus der Belegschaft für andere Angebote?

Speziell KMU haben zumeist nicht genügend Ressourcen und Know-how für Gesundheitsmanagement; andererseits wirkt sich bei ihnen der Ausfall von Fachkräften viel dramatischer aus, weil es oft keinen gleichwertigen Ersatz gibt. Unterstützung bietet etwa das Netzwerk BGF, ein Zusammenschluss der Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, der gesetzlichen Unfallversicherung, des Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, der Interessensvertretungen sowie des Fonds Gesundes Österreich. Viele Tipps finden Sie im Handbuch Betriebliche Gesundheitsförderung , die Best Practice Beispiele von Apotheke, NGO oder Familienbetrieb zeigen, dass KMU viele nutzbringende Maßnahmen setzen können.

Spezialthema Demografischer Wandel

Mitarbeitende sollen aus zwei Gründen länger im Unternehmen gehalten werden: Zum einen, weil der Fachkräftemangel eklatant ist und erfahrene Spezialisten in Teams wertvoll sind; zum anderen, weil das Pensionsalter nach oben gehen muss, um das System weiter finanzieren zu können. Allerdings steigen mit dem Alter die Fehlzeiten und daher braucht es Präventionsmaßnahmen, um dies so gut wie möglich abzufangen. Dabei gilt: Je früher arbeitsplatzbezogene gesundheitliche Risiken erkannt werden, desto eher kann vorbeugend etwas unternommen und das Auftreten chronischer Krankheiten vermieden werden. Denken Sie daher bei der Konzeption von Gesundheitsangeboten daran, spezielle Programme anzubieten, die auf die Bedürfnisse von Älteren zielen.

Spezialthema Psychische Belastungen

Die Arbeitswelt hat sich zur Dienstleistungsgesellschaft gewandelt, Digitalisierung und die damit einhergehende dauernde Erreichbarkeit, Multi-Tasking, sowie das erhöhte Tempo, führen zu Stress und seelischen Belastungen. Die Coronakrise hat diese Entwicklung verschärft, Arbeiten im Home-Office ohne soziale Kontakte, bzw. mit gleichzeitiger Betreuung von Schulkindern, hat viele Menschen an ihre Grenzen gebracht. Die WHO hat zurecht definiert: Bei Gesundheit geht es um körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden. Hier sind in erster Linie Führungskräfte gefragt, jene Faktoren zu erkennen, die die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden gefährden. Empfehlenswert ist eine Bestandsaufnahme gemeinsam mit dem Team, unterstützt durch HR. Daraus können Maßnahmen geplant werden, um die Resilienz zu erhöhen, also die Beschäftigten von innen heraus zu stärken.

Investition in Gesundheit rechnet sich

Längere Fehlzeiten reduzieren Teams, so können weniger Kunden angesprochen und weniger Aufträge erledigt werden oder Projekte werden später fertiggestellt. Betriebliches Gesundheitsmanagement reduziert Krankenstände und fördert damit die Produktivität, die Qualität und den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens.

Wenn Gesundheitsmaßnahmen und die Kommunikation über Gesundheit ein fixer Bestandteil der Personalpolitik sind, zeigt ein Unternehmen, dass es seine Belegschaft schätzt. Das ist ein wichtiger Puzzlestein der Arbeitgebermarke, der nach außen wirkt und zu einem positiven Image beiträgt. Ebenso wirkt die Arbeitgebermarke nach innen: Wer seine Fachkräfte halten möchte, setzt mit gesundheitlichen Angeboten ein wichtiges Zeichen, denn diese steigern die Zufriedenheit, die Arbeitsmotivation und die Lebensqualität.

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