Arbeit trifft Urlaub

Wenn Surfen in der Mittagspause nicht Internet bedeutet, sondern ein Surfbrett am Meer, dann handelt es sich um Workation. Lesen Sie, ob dieser Trend hierzulande bereits angekommen ist und welche organisatorischen Regeln ein Arbeitgeber vorab festlegen sollte.

Workation – mehr als ein neues Buzzword?

In vielen Unternehmen arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun ganz selbstverständlich tageweise im Home-Office und die Kommunikation zwischen den Teams zu Hause bzw. im Büro hat sich gut eingespielt; es ist für alle zur Routine geworden und wird als Vorteil geschätzt. Wenn Sie sich jetzt zurücklehnen und denken: „Ok – alles erledigt…“ dann haben Sie vielleicht noch nicht vom neuesten Trend gehört: Workation. Das ist ein sogenanntes Kofferwort, zusammengesetzt aus Work und Vacation und es bezeichnet das Arbeiten am Urlaubsort. Oder, anders gesagt: Es wird dort gearbeitet, wo es entspannt ist.

Vom Traum zur Realität

Beim Gedanken an Workation tauchen gleich schöne Bilder auf, wie der Laptop unterm Sonnenschirm mit Blick auf Strand und Meer oder der Laptop im Schatten eines mächtigen Baumes, rundum grüne Wiesen, Berge und stille Natur. Aber wie sieht die unternehmerische Wirklichkeit aus? Der Personal-Recruiter epunkt hat im Vorjahr 188 österreichische Personalverantwortliche zu Workation befragt, mit überraschenden, sowie auch zukunftsweisenden Ergebnissen:

  • 62% können sich ein Workation-Modell in ihrem Betrieb vorstellen
  • 36% sehen es als Magnet für Fachkräfte
  • 31% erwarten von freier Arbeitsortwahl einen positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit
  • 27% meinen, dass Workation Kreativität, neue Sichtweisen und damit Produktivität fördert
  • 30% nennen Vertrauen als wichtigste Rahmenbedingung, dazu gehören auch klare Regelungen, Verantwortlichkeiten und Kommunikation

Die Nachfrage nach Workation bestätigt auch eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte gemeinsam mit den Unis Wien und Graz. 73 % der knapp 600 befragten Unternehmen bemerken, dass Workation von Bewerberinnen und Bewerbern verstärkt nachgefragt wird; diese wollen Home-Office und Urlaub verbinden, bzw. eine Zeitlang aus dem Ausland arbeiten.

Bei Sage haben wir diesem Trend Rechnung getragen und Work Away eingeführt. Das bietet unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit bis zu 10 Wochen innerhalb eines 12-Monats-Zeitraums aus dem Ausland zu arbeiten. Wir sind schon sehr gespannt auf die ersten Erfahrungen mit diesem neuen Arbeitsmodell.

Auf ins Holiday-Office – aber nur mit fixen Regeln

Auch Tourismusdestinationen, Hotels oder Anbieter von Coworking Spaces haben diese Entwicklung bereits entdeckt und arbeitende Reisende werden zur neuen Zielgruppe. Wer „workation hotels“ googelt, findet eine Trefferliste voll verlockender Überschriften wie Work-Life-Balance, Home-Office am Strand, Home-Office wird zu Holiday-Office oder: Der neue Weg, die Welt zu entdecken.

Damit jedoch Urlaub und Arbeit ihre zustehenden Anteile gerecht bekommen, sollten Unternehmen vorab genaue Regeln festlegen. Das verlangt zweifellos einigen Aufwand. Allerdings sind klare Regeln die Voraussetzung, damit Workation sowohl für die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite ein nutzbringendes Arbeitsmodell sein kann. Ebenso ist es eine Tatsache, dass nicht jede Tätigkeit und jede Person für Workation geeignet ist – auch hier sollten klare Auswahlregeln kommuniziert werden, um Neid und Missgunst bei den Beschäftigten von vornherein auszuschließen.

Für wen eignet sich Workation

Was für das Home-Office gilt, das gilt auch hier: Wer nicht ständig beim Kunden oder in der Firma persönlich anwesend sein muss, für den oder die ist Workation prinzipiell möglich. Dazu zählen Abteilungen wie Marketing, Buchhaltung, Lohnverrechnung, Controlling, Softwareentwicklung, Design, Grafik oder Tätigkeiten wo (immer wieder) konzeptionelle Aufgaben gemacht werden.

Neben der fachlichen Tätigkeit entscheiden auch persönliche Eigenschaften über die Eignung, im Vergleich zum Home-Office eigentlich noch in stärkerem Ausmaß. Dazu zählen Skills wie ein gutes Zeitmanagement, eigenverantwortliches und selbständiges Arbeiten, die Neugier etwas Neues zu versuchen und gute Kommunikationsfähigkeiten.

Diese grundlegenden Fragen brauchen Regeln

Wie werden Arbeit und Urlaub kombiniert? Wann muss jemand erreichbar sein?
Hier sind im Prinzip viele Varianten möglich: So kann z.B. pro Woche drei Tage gearbeitet und zwei Tage als Urlaub verbracht werden. Oder jemand entscheidet sich, zuerst ein Monat vom Strand aus zu arbeiten und dann drei Wochen Urlaub anzuhängen. Jedenfalls müssen Führungskräfte und das Team im Büro konkret wissen, in welchem Zeitfenster die Kollegin oder Kollege während der Workation erreichbar ist. Übrigens: Falls das Holiday-Office weiter entfernt ist, sollten Sie nicht auf die Zeitverschiebung vergessen.

Wie steht es um Internet, Telefon und Arbeitsplatz?
Mobiles Arbeiten braucht eine verlässliche Infrastruktur, dazu zählen leistungsfähiges Internet, stabiles Telefonnetz und Stromversorgung. In einer Berghütte oder an einem fernen Strand kann es daran schon einmal mangeln, insofern ist bei der Wahl der Destination darauf zu achten. Zu klären ist ebenso, ob das Hotelzimmer als Arbeitsplatz geeignet ist oder ein Coworking Space benötigt wird. Besprechen Sie auch das Thema IT-Sicherheit. Wer in öffentlichen WLANs surft, läuft Gefahr, dass Firmendaten gehackt werden. Die Buchhaltung, die mit sensiblen Daten zu tun hat, ist besonders gefordert, auf Datensicherheit zu achten.

Wie ist das mit Sozialversicherung, Steuer, Aufenthaltsrecht?
Zusätzlich zu den organisatorischen Punkten sind eine Menge rechtlicher Fragen zu klären. Diesem wichtigen Thema widmen wir uns im zweiten Teil des Workation-Blogs.

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