Retention statt Recruiting
Arbeitskräfte im Unternehmen halten, statt laufend neue rekrutieren zu müssen – dieses Ziel der Personalabteilung hat handfeste Gründe. Denn die Kosten, um die vakante Position nachzubesetzen, können laut einer Studie des Gallup Instituts von 50% bis zu 200% des jeweiligen Jahresgehalts betragen. Diese Kosten summieren sich aus vielfältigen Positionen, von Anzeigen schalten und Recruiting über Onboarding und Einarbeitung bis zu Wissensverlust und manchmal sogar Kundenverlust, wenn langjährige Angestellte plötzlich nicht mehr da sind. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, spielt die Employee Experience eine entscheidende Rolle.
Employee Experience kurz erklärt
Die Mitarbeitererfahrung (oder das Mitarbeitererlebnis) beschreibt, wie jede und jeder den Arbeitsalltag erlebt. Dabei geht es um Eindrücke, Emotionen und Erfahrungen in Bezug auf Kultur, Führung und den Arbeitsplatz. Diese vielen täglichen Eindrücke wirken sich auf die Motivation, die Leistung und die Bindung ans Unternehmen aus. Ziel sollte also sein, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst viele positive Erlebnisse sammeln können. Hier ist die Personalabteilung gefragt, mit entsprechenden Tools und Maßnahmen Strategien zu entwickeln und die Weichen zu stellen. Allerdings nicht alleine, denn Employee Experience braucht weitere Stakeholder: Die Geschäftsführung, die eine Mission definiert, in der sich die Belegschaft möglichst wiederfinden soll. Und alle Führungskräfte, die im Arbeitsalltag der erste Kontaktpunkt sind und jede Person ihrer Gruppe entsprechend fördern und fordern sollten.
Dünger für den Unternehmenserfolg
Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein einmaliges Rennen mit einem fixen Endpunkt. Eine Strategie für Employee Experience braucht langfristiges Denken und ist daher besser vergleichbar mit einem Dauerlauf, denn jeder Tag bietet neue Alltagserfahrungen. Oder anders formuliert: Sehen Sie Employee Experience als steten Dünger, aus dem Motivation, Performance, Bindung und damit der gemeinsame Unternehmenserfolg wachsen können.
Positive Employee Experience ist ein wichtiger Hebel für eine Retention-Strategie. Für HR heißt das:
- Mit geeigneten Tools können viele Kontaktpunkte für positive Mitarbeitererlebnisse dauerhaft im Unternehmen implementiert werden.
- Der Fokus auf Employee Experience hilft sowohl dabei, Arbeitskräfte zu halten, als auch neue zu gewinnen, denn eine motivierte zufriedene Belegschaft trägt dieses Gefühl auch nach außen.
Aus dem Strauß an möglichen Tools und Maßnahmen zeigen wir 4 konkrete Beispiele.
1 – Self-Service-Portale
- Ist mein Urlaubsantrag jetzt endlich bewilligt?
- So viele Belege am Monatsende, wie soll ich die lästige Reiseabrechnung pünktlich schaffen?
So geht es positiv: Super, ich seh gerade, meine Chefin hat den Urlaubsantrag elektronisch genehmigt, Italien ich komme!
So, die Hotelrechnung der Dienstreise ist bezahlt, ich fotografiere sie gleich mit meiner Abrechnungs-App am Smartphone und der Papierkram ist erledigt.
Nutzen: Mit Self-Service-Portalen für Dienstreisen, Zeitnachweise, Urlaub oder Kursanmeldungen können Mitarbeitende HR-Services rund um die Uhr nutzen, entweder am Computer oder optional auch am Smartphone. Workflows zeigen Ihnen an, wo sich gerade welcher Antrag befindet, das sorgt für Transparenz. Wir sind es heute gewohnt, vieles elektronisch zu erledigen. Ein moderner Arbeitgeber kann damit für positive Erlebnisse sorgen; zusätzlich sparen Self-Service-Portale der Personalabteilung viel Aufwand.
2 – Digitale Lern- und Entwicklungstools
- Ich möchte mehr KI-Kompetenzen, wie komme ich zu einer Schulung?
- Mit Halbtagsjob und Kinderbetreuung schaffe ich keine ganztägigen Präsenzkurse, Karriere vorbei?
So geht es positiv: In zwei Monaten ist die nächste KI-Schulung, steht im Online-Kurs-Katalog, da melde ich mich gleich über das Web-Portal an.
Gerade hat mir HR das neue e-Learning Portal gezeigt, da kann ich jetzt Häppchenweise lernen, gerade so, wie ich Zeit habe.
Nutzen: Wer eigenständig und mit Verantwortung arbeiten kann, ist besser motiviert. Dafür braucht es laufende Weiterbildung und die Förderung von Talenten. Hier können viele HR-Tools für positive Erfahrungen sorgen, wie das Follow-Up von regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, Kompetenzmanagement um Stärken und Schwächen zu erkennen, ein Online-Kurs-Katalog (optional mit der Möglichkeit, sich selbst anzumelden, siehe Self-Service-Portale) oder eine Kursdokumentation von allen Beschäftigten mit ihren Zertifikaten.
3 – Employee Wellbeing
- Wo ist meine Work-Life-Balance, zumindest ein bisschen?
So geht es positiv: Dass ich während der Volksschulzeit meines Kindes jetzt 4 statt 2 Tage im Home-Office arbeiten kann, hilft mir echt weiter.
Finde ich super, dass wir das Fitness-Studio ums Eck zu Sonderkonditionen nutzen können.
Nutzen: Ergonomische Bürosessel, Pflanzen, helle Räume, gesunde Snacks – das sollte heutzutage zum Standard gehören. Doch beim Thema Wohlbefinden und Gesundheit geht es um mehr: Die ganzheitliche Betrachtung der jeweiligen Lebenssituation gewinnt an Bedeutung. Flexibilität mit Arbeitsmodellen wie Home-Office, Teilzeit oder Job-Sharing spielt in manchen Lebensphasen eine große Rolle. Sportaktivitäten von Yoga bis Kraftkammer ermöglichen einen gesunden Ausgleich zum oft stressigen Alltag. Führungskräfte und HR sind angehalten, die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter in dedn Mittelpunkt zu stellen und genauer zuzuhören. Für eine allgemeine Einschätzung helfen auch Stimmungsbarometer oder Mitarbeiterbefragungen.
4 – Hyperpersonalisierung
- So viele Angebote, aber welche Kurse sind auf mein Wissen und mein Lernverhalten zugeschnitten?
So geht es positiv: Dieser vorgeschlagene Lernpfad gefällt mir, die Module sind genau an meine Kompetenzen, Ziele und das aktuelle Lerntempo angepasst.
Nutzen: Statt einem Mehr an Auswahl sollen den Mitarbeitenden maßgeschneiderte Infos bzw. Interaktionen geboten werden, die auf für sie relevanten Daten, ihren Präferenzen und auch ihren Antworten beruhen. Wie in den Punkten 1 bis 3 gezeigt, bieten HR-Tools bereits viele Möglichkeiten. Der verstärkte Einsatz von KI verspricht nun noch mehr Personalisierung. Allerdings stecken KI-gestützte Ansätze häufig noch in den Kinderschuhen bzw. werden von Unternehmen noch nicht eingesetzt. Der Hype um Hyperpersonalisierung ist auf jeden Fall da: Mitarbeitererlebnisse nach Maß: Warum Hyper-Personalisierung der neue HR-Standard sein muss bzw. im HR Leaders Podcast: Why Hyper-Personalization Is the Ultimate HR Advantage in 2026